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In Hollywood sind Hotels bei weitem nicht nur schnöde Übernachtungsmöglichkeiten für wohlbetuchte Touristen. Im Reich des Films sind Häuser wie das berühmte Chateau Marmont selbst zu Stars geworden

Keine Stadt dieser Welt hat eine so innige, eine so einzigartige Verbindung zu ihren Hotels wie Hollywood. Nirgendwo sonst, nicht in London, Bangkok oder New York, sind sie ein ähnlich exaktes Spiegelbild der Kultur des Scheins, des Funktionierens einer Metropole, wie an jenem Hort des Zelluloids, jenem künstlichen Gebilde, das seit filmischem Menschengedenken zuständig ist für die Herstellung von industriell gefertigter Illusion.  

Die Herbergen der Filmstadt sind weit mehr als pure Absteigen für Durchreisende. Zugegeben, sie dienen dem gemeinen Tourismus, aber im Reich der Filme haben sie einen anderen Stellenwert. Sie sind Ersatz, Kulisse, der Nabel einer Branche, deren Akteure transient sind: heute hier, morgen dort. In dieser Stadt werden Immobilien –  immerhin Objekte, in denen richtige Menschen wohnen und leben sollen – in schnellerem Rhythmus verkauft und gekauft als an jedem anderen Ort der Welt, da überrascht es nicht, dass der mit loderndem Kamin ausgestatte Bungalow des BelAir Hotels ein stabileres Zuhause darstellt als die austauschbare Mansion im Coldwater Canyon, dass der Concierge des Beverly Hills Hotels den aufopferungswilligen Freund ersetzt, die prächtige Lobby des Chateau Marmonts das eigene Wohnzimmer, und jede x-beliebige Hotelbar den einzig wahren Mittelpunkt des Lebens mimt. Junge, wilde Drehbuchauthoren residieren – neuer Nüchternheit und frischem Realitätssinn gehorchend – monatelang in West Hollywoods Standard Hotel, der neuzeitlichen Budget-Version der allseits boomenden Designer Hotels, in Zimmern, die tatsächlich „humungous“ heissen, es aber nicht sind.  


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Helmut Werb
Los Angeles