Der Mann hat einen weiten Blick. In 20 Jahren will er allen Ernstes auf dem Mars landen. Seine Raketen könnten die Raumfahrt revolutionieren. Sein Elektro-Auto soll Gouteure von Lamborghinis und Ferraris zum Stromfahren bekehren. Und dabei ist Elon Musk gerade mal 36 Jahre alt.
Sieht so ein Milliardär aus? Ein verrückter obendrein? Elon Musk steht vor mir wie ein etwas zu gross geratener Junge, dem man den stämmigen Südafrikaner immer noch ansieht - und er drückt auch die Hand wie ein solcher - obwohl er sein Heimatland vor 18 Jahren in Richtung gelobtes US-Land verlassen hatte. Knapp zwei Meter gross, nicht gerade schlank, ein verhalten grinsendes Bubengesicht, blitzgescheite Augen. Schlichtes Hemd und teure, aber miserabel sitzende Hosen.
Und sieht so der Arbeitsplatz eines wahrhaftigen Krösus aus, dessen persönlicher Wert vom amerikanischen Forbes Magazine auf weit über Eins-Komma-Acht Milliarden Dollar geschätzt wird? Der Mann besetzt gerade mal neun Quadratmeter in einer schlichten Ecke eines Grossraumbüros im ersten Stock eines unscheinbaren, hässlich-grauen Industriegebäudes im kalifornischen El Segundo, zwei Kilometer Luftlinie südlich des Flughafens von Los Angeles, vom emsigen Personal nur durch eine brusthohe Abtrennung abgesondert. Als ich mich in seinen Besucherstuhl (!) setzen will, stosse ich aus Platzmangel fast die Trennwand um. Die Sekretärin (die einzige übrigens), die aussieht wie eine wohlgeratene College-Abgängerin, teilt sich ihren Arbeitsplatz mit einem Ingenieur, zuständig für Sicherheitsventile.
Genügend Bares wäre schon da für standesgemässeren Luxus, immerhin wohnt der Mann im teuersten Stadtteil von Los Angeles und besitzt nicht einen, sondern gar zwei Privatjets. Im Alter von knappen 24 Jahren verkaufte der extrem kurzfristige Stanford-Student (zwei Tage hielt er es in der kalifornischen Elite-Uni aus) seine erste High-Tech Firma Zip2, eine Software Company für Online-Nachrichtendienste, an den Computerhersteller Compaq für knappe 350 Millionen Dollar. Ein Nasenwasser verglichen mit dem, was noch kam. Denn nach Zip entwickelte Musk PayPal, jenes geniale EMail-Bank-System, das das Finanzwesen auf den Kopf stellen wird, und das er nur drei Jahre später an Ebay verkaufte. Für Eins-Komma-Fünf Milliarden Dollar. Und nun spielt er mit Raketen, der Elon Musk, denn der Millardär von heute fliegt ins All.
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copyright text and photograph: Helmut Werb Los Angeles, July 2006